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PAPAGEIEN- UND AMAZONENLEHMLECKEN

(Charles A. Munn )
 

 

Die Farbenpracht und das Getöse von 100-300 grossen Papageien und 500 – 1500 Amazonen, die an den Flussufern des peruanischen Amazonas Tieflands Lehm fressen, ist mit Sicherheit eines der schönsten Naturschauspiele der Welt. Jedoch herrscht eine gewisse Unsicherhait über die Lage der Lecken und darüber, welche Lecken man besuchen sollte und welche Vorteile jede der Lecken bietet.


Papageien- und Amazonenlecken sind mineralsalzhaltige Lehmablagerungen an den Steilufern der Flüsse und manchmal auch im Innern des Amazonasregenwalds. Die Vögel kommen in Scharen, meistens in Wellen , die um 6 oder 6.30 morgens früh beginnen und sich bis 11 oder 12 Uhr mittags fortsetzen. Die Vögel fressen täglich ein etwa daumengrosses Stück Lehm, was anscheinend die giftigen Bestandteile ihrer Baum- und Lianensamendiät neutralisiert.

Papageien- und Amazonenlehmlecken - Peru Reisen

Von den etwa 120 bekannten Papageien- und Amazonenlecken des Amazonas Tieflands befinden sich mindestens 100 im peruanischen Anteil, der etwa doppelt so gross wie Deutschland oder Kalifornien ist. Nur sieben von all diesen Lecken sind gegenwärtig auf Besucher eingestellt, und fünf davon liegen in Peru.Die grössten Papageienschwärme der Welt konzentrieren sich an diesen fünf “kommerziellen” Lehmlecken.

Etwa 2 Stunden Bootsfahrt von der Landebahn Boca Manu am Zusammenfluss von Manu und Madre-de-Dios liegt die Blanquillo-Lecke, so genannt , weil in der Nähe der kleine Blanquillofluss in den Madre-de-Dios mündet. Dies ist gegenwärtig die am meisten besuchte Papageien Lecke der Welt – etwa 3000 Besucher wurden im letzten Jahr gezählt.

An zweiter Stelle in der Rangliste der Besucherzahlen liegt die Lecke am Oberlauf (Ober – oder Unterlauf???) des Tambopata. Nicht zuletzt weil mein Bericht über diese Lecke in der Januarnummer des National Geographic Magazine 1994 als Titelgeschichte erschien, ist diese Lecke die bekannteste.

Die dritte grosse Lecke liegt am Ober (?)lauf des Heath an der peruanisch-bolivianischen Grenze. Sie wurde erst vor kurzer Zeit für Besucher zugänglich gemacht und hat den Vorteil, dass sie an einem Tag von Cusco und sogar Lima! aus über Puerto Maldonado schnell und unkompliziert zu erreichen ist – 5 Stunden Bootsfahrt ab Puerto Maldonado, das an das normale Inlandsflugnetz angeschlossen ist und auch von grossen Düsenflugzeugen angeflogen wird.

Zwar sind diese drei grossen Lecke im Süden Perus zur Zeit die am meisten besuchten. Doch es ist gut möglich, dass die beiden Lecke am unteren Urubamba Fluss, in Sepahua(Mishagua) und Pucani, die mir 1999 von ortsansässigen Urwaldindianern gezeigt wurden, den drei “Grossen “ in Zukunft den Rang ablaufen. Wann immer ich nach den besten Stellen für Papageien-Fotos gefragt werde, empfehle ich ohne Zögern, sich auf die Reise nach Sepahua und Pucani zu machen.

An beiden Lecken hat man die Papageien in 15 bis 20 m Entfernung vor der Kamara und befindet sich dabei auf festem Boden in einem speziell hergerichteten Versteck. Absolut sorglos und unbeeindruckt von der Gegenwart der Beobachter gehen die Papageien ihrem Geschäft des Lehmfressens nach. Die Angst gejagt zu werden haben sie nach mehreren Jahren intensiven Schutzes durch die lokale Bevölkerung verloren. Sowohl in Sepahua als auch in Pucani stellen die Einwohner Unterbringungsmöglichkeiten für Besucher zur Verfügung.

Zwar sind bisher Manu und Tambopata die Schlagworte für Ekotouristen, die das aussergewöhnliche Naturerlebnis an Papageienlecken suchen. Doch kann sich das bald ändern – die Menschen in Pucani und Sepahua haben gerade erst begonnen, sich ihres Potentials bewusst zu werden.

Der Ornithologe Bennett Hennessy und andere haben mir berichtet, dass Soldatenaras in Bolivien und vielleicht an den Andenausläufern im Manu beim Lehmfressen gesehen wurden. Ich habe zwar keine Beweise (z.B. Fotos) , doch hoffe ich sehr, dass der Bericht stimmt.

Dr. Charles A. Munn, Präsident des Vorstands von Tropical Nature – einer gemeinnützigen Organisation zum Schutz der Regenwälder der Welt (http://www.tropicalnature.org)

 

Zusätzliche Information
   Manu Wildlife Center Papageienlecke
   Heath River Widlife Papageienlecke


 
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